Am letzten Freitag vor den Sommerferien in NRW, am 17.07.2026, präsentierten die Geschwister Marijke und Michiel Wiesenekker ihre neue CD „Wilde Schönheit“ im großen und trotz der hochsommerlichen Temperaturen gut besuchten Saal der Ökumenischen Begegnungsstätte in Krefeld-Hüls.
So abwechslungsreich und kunterbunt das Repertoire war, so war auch ihre Auswahl an Instrumenten: zu jedem einzelnen der insgesamt 12 Stücke wählten sie eine andere Instrumentalisierung – und Michiel Wiesenekker trat diesmal sogar entgegen seinen üblichen Gewohnheiten nicht in seinen klassischen Westernstiefeln auf 😉 – das machte bereits zu Beginn neugierig und ließ auf Neues und Ungewöhnliches schließen.
Wer glaubt, dieses Duo bestens zu kennen und schon alles von ihm gehört zu haben, sollte sich eines Besseren belehren lassen. Die beiden Interpreten wählten eine Vielzahl von kleinen Stücken aus. Diese boten sie dem Publikum locker und leicht dar – allerdings in einer Perfektion und einem derart gekonnten Zusammenspiel, die das Publikum förmlich den Atem anhalten ließ, um ja nichts zu verpassen. Fast bei jedem Stück hätte man eine Nadel fallen hören! Nahezu bei jedem Stück jeden einzelnen Ton individuell und sorgfältig interpretiert – eine absolute Meisterleistung! Das Duo schafft es immer wieder aufs neue, seine Zuhörer sichtlich zu beeindrucken.

Die beiden Künstler starteten das Konzert ruhig und besinnlich mit Sitting on Top oft he World von Walter Vinson & Lonni Chatmon unter Verwendung einer Gibson-Mandoline und einer Martin-Gitarre einschließlich Gesang (Michiel). Im anschließenden Organito de la Tarde von Cátulo & José Gonzáles Castillo (Dietrich-Mandoline und Teryks Gitarre) ging es dann filigran und virtuos zu. Musikalisch erzählt wurde die Geschichte eines alten Tangotänzers, der ein Bein verloren hat und nun mit einer kleinen Orgel – natürlich Tango spielend – durch die Straßen zieht.
Die beiden Interpreten wählten sodann eine elektrische Fender Mandocaster und eine Epiphone Broadway zum träumerisch und wunderbar homogon gespielten und selbst komponierten Stück Dreamcatcher.Melancholisch und singend ging es zu bei Raining in my Heart von Felice & Boudeleaux Bryant unter Einsatz einer Martin-Gitarre und -Ukulele. Das folgende Stück Le Métèque von George Moustaki erzählte sodann die Geschichte von einem griechischen Straßenhund, der alles ist ohne dabei satt zu werden und überall dort herumstreunert, wo Sirtaki getanzt wird. Überzeugend und sehr unterhaltsam im Charakter eines französisch-griechischen Chanson dargeboten – zwar nicht auf einer original griechischen Bouzouki, dafür aber auf einer irischen Bouzouki und einer Martin Gitarre – kombiniert mit Michiel als Chansonnier – einfach klasse!.
Nach dem trad. Pocahontas von Bill Williams (Herwiga Mandola und Martin-Gitarre) wurde es beim folgenden Blue Eyes Crying in the Rain von Fred Rose instrumentalistisch sehr interessant: Nicht nur, dass beide Interpreten zugleich einen Gesangspart übernahmen und Michiel sowohl auf einer Tyreks-Gitarre als auch an einer Mundharmonika zu hören war. Marijke wählte hier für ihren instrumentalen Part einen mit Röhrchen gespielten und ähnlich einer Zitter waagrecht auf den Beinen liegenden „Framus Lapsteel“, der für einen schönen warmen und wabernden Klang sorgte. Ein in der Zupferszene bisher sehr selten anzutreffendes Instrument:

Framus Lapsteel
Mit einer Herwiga-Mandola und einer Teryks-Gitarre entführten die Interpreten die Zuhörer sodann nach Frankreich: mit dem traditionellen und selbst gesetzten Stück Rumba de Camargue. Eine sehr schöne rhythmisch bewegte und frz.-südamerikanischen Flair versprühende Reminiszenz an die französische Camargue. Ein sehr schönes Stück und auch als Orchesterversion verfügbar und spielbar.
Nach dem swingenden und mit perfekt aufeinander eingespielten Melodiebögen in Django Reinhardts Nuages(Fender Mandocaster und Epiphone Broadway) ging es zum Höhepunkt des Konzerts: auf einem elektrischen Fender Mandocaster und Michiels Epiphone Broadway präsentierten die Solisten wahrlich fetzig und virtuos Moshe Emes – ein Traditional aus dem Bereich der Klezmer-Musik.
Nach It’ll be me von Jack Clement (Gibson-Mandoline, Martin-Gitarre und Gesang) endete das Konzert schließlich mit dem selbst komponierten Stück Fender Duo (Fender Jazzbass und Fender Stratocaster), sphärisch-mystisch beginnend und sodann Fahrt aufnehmend gleich einem Roadtrip dem abendlichen Sonnenuntergang entgegen – ein wahrhaft wunderbarer Übergang in einen schönen und feuchtfröhlichen Ausklang des Konzertes mit den Künstlern und dem Publikum.

Marijke und Michiel Wiesenekker präsentierten sich nicht nur während des Konzertes als hervorragende Künstler, sondern auch nach dem Konzert als tolle und sympathische Gastgeber unter musikalischen Freunden und Zuhörern: mit tatkräftiger Unterstützung ihrer Eltern, Michiels Ehefrau Lisa und ihrer Kinder wurden kostenlose Getränke und Snacks gereicht. Das lud wahrlich zu einem schönen Ausklang und einem schönen Beginn der Sommerferien ein. – Das nächste Konzert der beiden kann gerne kommen!
Fotos und Text: Raimund Draken
